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West Highland Terrier

Seit Mitte der 80er Jahre erfreut sich der West Highland White Terrier (kurz Westie genannt) steigender Beliebtheit, und er ist aus dem heutigen Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Wie der Name der Rasse „West Highland White Terrier“ schon verrät, stand die Wiege dieses Terriers in den westlichen Schottischen Highlands. Sie erheben sich von der nördlichen Westküste Schottlands. In dieser schroffen und felsigen Landschaft wurden kleine, robuste, auf kurzen, kräftigen Beinen stehende Terrier für die Jagd auf Füchse, Wildkatzen, Otter und Dachse gebraucht. Diese dunkelgrauen bis hell-cremefarbenen Hunde arbeiteten gewöhnlich in der Meute. Sie mussten in der Lage sein, ihre Beute überall hin zu folgen, zwischen Wurzelwerk, Geröllhaufen und Felsen. Um in den Felsen nicht steckenzubleiben, waren die kleinen, robusten Terrier von schmaler Statur und mit flachen Rippen ausgestattet.

Die anstrengende Jagd auf das sehr wehrhafte Raubwild verlangte viel Courage und Ausdauer von den kleinen Jägern, und das rauhe Klima erforderte eine robuste Konstitution. Das harsche Haar mit der dichten Unterwolle schützte gegen Wind und Wetter. Neben der Jagd hatten die Hunde auch Haus und Hof ihres Besitzers zu bewachen und dort Ratten und andere Nager zu vernichten. Die Dukes of Argyll könnten mit ihren kleinen weissen Erdhunden wohl den ältesten Zweig der Vorläufer der West Highland White Terrier darstellen. Sie selbst bezeichneten ihre Hunde als White Skye Terrier, woraus deren Verwandtschaft zum Skye Terrier zu ersehen und der häufig auftretende lange Rücken und das seidige Haar zu erklären sind. Bekannt wurden die Hunde aber unter dem Namen Roseneath Terrier schon lange vor Ende des 19. Jahrhundert.

Die zahlreichen Belege, dass es bereits in den letzten dreihundert Jahren kleine, weisse Arbeitsterrier in Schottland gab, dürfen nun nicht den Eindruck erwecken, dass da die Väter unserer heutigen West Highland White Terrier durch die schottischen Wälder und Highlands jagten. Wurde ursprünglich die These vertreten, die uns heute bekannten vier schottischen Terrier, der Skye Terrier, der Scottish Terrier, der Cairn Terrier und der West Highland White Terrier, seien aus dem Schottischen Arbeitsterrier entstanden, so weiss man heute, dass sich diese Rassen regional, schon durch die unwegsame Beschaffenheit der Landschaft recht streng voneinander getrennt, langsam entwickelten. Selbst von Clan zu Clan unterschieden sich die Terrier häufig im Typ.
Den unbestritten wichtigsten Zweig der Vorfahren des West Highland White Terriers bilden die Poltalloch Terrier des Colonel Eduard Malcolm aus Argyllshire. Colonel Malcolm hatte bei der Jagd einen seiner rötlich-braunen Terrier mit einem Fuchs verwechselt und erschossen. Dies veranlasste ihn, weisse Arbeitsterrier aus dem in Argyllshire vertretenen Cairn-Typ zu züchten. Die Poltallochs hatten 3 bis 7 cm langes, harsches Haar, einen gelegentlich auftretenden gelblichen oder sandfarbenen Rückenstreifen, kurzes drahtiges Kopfhaar, ein recht kurzes Vorgesicht mit grosser, häufig fleischfarbener Nase, riesige Zähne und kleine, sehr kurz behaarte, meist aufrecht getragene Ohren. Colonel Malcolm war es schliesslich auch, der anregte, diese Rasse, für die er sich so stark einsetzte, West Highland White Terrier zu nennen.

Noch um die Jahrhundertwende wurden die Vorläufer der West Highland White Terrier unter den verschiedensten Rassebezeichnungen ausgestellt. So war es durchaus möglich, dass ein Hund unter zwei verschiedenen Bezeichnungen je einen Preis gewann. Erster Champion seiner Rasse wurde 1907 der am 28. März 1905 geborene Rüde „Morven“. So erfolgreich, wie er im Ausstellungsring war, beeinflusste er auch als Vererber die Westiezucht.
Uebrigens waren die West Highland White Terrier-Züchter der Gründerzeit nicht sehr glücklich über die Tatsache, dass ihre Hunde von Rassefreunden liebevoll „Westie“ genannt wurden. Sie befürchteten eine Verniedlichung ihres schnittigen weissen Arbeitsterriers. Im Ausstellungsring und darüber hinaus waren Colonel Malcolm und Dr. Flaxman unerbittliche Rivalen. Letztendlich ging Colonel Malcolm als Sieger aus dem Gefecht hervor. Die Anerkennung der Rasse unter dem Namen West Highland White Terrier, dessen Standard Colonel Malcolm massgeblich beeinflusste, erfolgte 1907 durch den Kennel Club. Uebrigens einige Jahre vor der Anerkennung des Cairn Terriers. Im Jahre 1904 war unter der Präsidentschaft des Duke of Argyll der West Highland White Terrier Club gegründet worden. 1906 der West Highland White Terrier Club of England, dem die Countess of Aberdeen und später Colonel Malcolm vorsassen. Von da an ging es mit dem Westie bergauf; heute gehört er dort zu den populärsten Rassen.

Charaktereigenschaften
Die Wesensmerkmale von einst sind dem Westie bis heute erhalten geblieben. Der vielseitige Arbeitseinsatz verlangte einen intelligenten und unkomplizierten Terrier mit hoher Anpassungsfähigkeit und robuster Natur. Bei der Jagd in der Meute musste er sich widerspruchslos einfügen. Alleine mit seinem Herrn war er ein unerschrockener, ausdauernder Hund der jeden Gegner stellte. Daneben übernahm er die Aufgaben eines Wachhundes und war ein friedlicher und fröhlicher Spielgefährte für die Kinder.

Der ausserordentliche Charme und die kecke Art liessen den Westie bald die Herzen vieler Hundeliebhaber erobern. Die ausgeprägten Eigenschaften seiner Vorfahren sind dem Westie auch in der heutigen Zeit noch sehr von Nutzen. Unproblematisch und zufrieden fügt er sich in den hektischen Alltag einer Grossfamilie ein. Genau so unkompliziert ist er aber auch einem Single ein glücklicher und treuer Begleiter. Seine Aufgewecktheit und Intelligenz zusammen mit seiner Verspieltheit lässt ihn mit Freude lernen. Seine hohe Intelligenz lässt ihn aber auch sehr bald die Schwächen seines Besitzers entdecken. Mit sehr viel Raffinesse und Charme weiss er bald seinen Kopf durchzusetzen, ohne dass sich dies sein Besitzer bewusst wird.

Westies sind von Natur aus sehr neugierig und lieben es, aus dem Fenster zu sehen und die Umgebung zu beobachten. Die ausgeprägte Neugier macht diesen Hund zu einem begeisterten Autofahrer. Gibt es doch beim Autofahren soviel Neues, Interessantes zu entdecken. Fast mit gleicher Beliebtheit schaut der Westie fern. Dabei interessieret ihn besonders das Werbefernsehen und Tiersendungen. Einen erwachsenen Westie ab und zu einmal für einige Stunden allein zu lassen, muss dem Besitzer kein schlechtes Gewissen verursachen. Manche Westies geniessen es sogar, einmal ganz für sich zu sein.

Standard
Der West Highland White Terrrier soll auf den ersten Blick den Eindruck eines selbstbewussten, kernigen Arbeitsterriers vermitteln. Bei der Erstellung des Standards für den Westie ist man von seinem Einsatz als Jagdterrier ausgegangen. Er soll sich frei, aufmerksam und selbstbewusst präsentieren. Aggressivität oder Furchtsamkeit sind negativ zu bewerten.

Optisch soll ein Westie eine harmonische Gesamterscheinung haben, kräftig, kompakt und sportlich wirken. Er darf nicht auf zu niedrigen Läufen stehen und dadurch an einen Scottish Terrier erinnern. Falsch ist es aber auch, wenn seine langen Beine den Eindruck eines Hochläufers, z. B. Foxterrier, vermitteln. Bei der Beurteilung wichtig ist auch seine Gangart. Nur ein Westie mit guten anatomischen Voraussetzungen kann sich einwandfrei bewegen. Dazu müssen die Vorderläufe gerade, Oberarm und Schulter in richtiger Grösse und gut gewinkelt sein. Um mit viel Power laufen zu können, müssen die Hinterhand korrekt gewinkelt und die Sprunggelenke unter den Körper gestellt sein. Die Schulterhöhe eines Westie wird mit ca. 28 cm angegeben. Das Körpergewicht beträgt je nach Grösse 6 bis 10 kg. Beim Kopf kann nicht deutlich genug betont werden, dass der Westie ein Arbeitsterrier ist und man dies auf den ersten Blick an seiner kräftigen Schnauze und dem intelligenten Blick erkennen muss. Das korrekte Westieauge ist klein, mandelförmig und verleiht dem Hund einen wachen, intelligenten, fast durchdringenden Blick. Der Engländer nennt diesen typischen Terrierausdruck „keen expression“. Für Diskussionen sorgt immer wieder das Gebiss des Westie. Die Grösse der Zähne und die Gebissstellung ist zwar vorgeschrieben, aber über die Anzahl der Zähne, ob der Westie vollzahnig sein muss oder wie viele Zähne fehlen dürfen, darüber schweigt er sich aus. Wie bei fast allen kleinen, englischen Hunderassen tritt auch beim Westie häufig ein recht hoher Zahnverlust auf. Je nach Land hat die Anzahl der Zähne kaum einen Einfluss auf eine Ausstellungskarriere. Der ursprüngliche Standard verlangte reinweisses, nicht zu verwechseln mit dem Schneeweiss aus der Waschmittelwerbung, Haar. Wesentlich bei der Beurteilung eines Westie ist die Beschaffenheit seiner Deckhaare. Der Standard verlangt eine dichte, kurze Unterwolle und ein harsches, dicht am Körper anliegendes Deckhaar. Nur mit dieser Haarqualität war der Westie im Klima seiner Heimat bei der Jagd gegen die Widrigkeiten des Wetters geschützt. Bei der Nase verlangt der Standard eine schwarz pigmentierte Nase. Die Ballen und Nägel sollten vorzugsweise auch schwarz sein.