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Pomeranian Zwergspitz

Der Zwergspitz – Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Peter Machetanz
„Wie bitte, das soll ein Spitz sein?“ Solche und ähnliche Ausrufe hörte ich immer wieder, wenn ich in den siebziger Jahren, also vor über zwanzig Jahren, mit einem Pomeranian an der Leine spazieren ging oder eine Zuchtschau besuchte.

Jeder Mann und jede Frau, so hatte man den Eindruck, hatte in seinem Leben schon einmal schlechte Erfahrungen mit dem Spitz der Großmutter, der Tante oder des Nachbarn gemacht. Und nun sollte dieses kleine Wesen mit dem üppigen orangen Fell, dem hübschen Köpfchen, den kleinen Ohren, dem frechen Blick aus den dunklen Augen und dem freundlichen Wesen mit dem allseits bekannten weißen oder schwarzen Spitz, der seine Umgebung wadenbeißend und kläffend tyrannisierte, verwandt sein? Eine Welt der Hunde-Klischees brach für viele Mitmenschen zusammen.

Die Anfänge des Zwergspitzes
Der Spitz war im 19. Jahrhundert über ganz Europa verbreitet. Er diente auf dem Lande als Wach und Hofhund, und in den Städten war er in den Stuben der Handwerker und Gasthäuser anzutreffen. Aufgrund der damaligen, im Vergleich zu heute rauhen Lebensart der Menschen, konnten nur gesunde und robuste Hunde leben und sich fortpflanzen. Die kleinen und kleinsten Exemplare eines Hundewurfes wurden meistens ausgesondert und als nicht lebenswert empfunden. Trotzdem entwickelten sich in den verschiedenen Gegenden Mitteleuropas Spitze verschiedener Größenschläge, die dem jeweiligen Verwendungszweck des Menschen angepaßt waren.
Mit dem Aufkommen von organisierten Hundeausstellungen ab der Mitte des letzten Jahrhunderts begannen Liebhaber der Spitze gezielt verschiedene Größen und Farben zu züchten. Betreut wurden die Zwergspitzzüchter vor dem Ersten Weltkrieg vom Internationalen Zwerghundeklub in Berlin. Im Band III und IV des Zuchtbuchs dieses Klubs sind rund 100 Zwergspitz-Eintragungen aufgeführt. Hauptsächlich sind es weiße und schwarze und einige braune Exemplare, die von Züchtern aus dem ganzen Reichsgebiet gemeldet wurden. Am 10. Dezember 1905 veranstaltete der „Erste Mannheimer Zwergspitz-Klub“ eine Zuchtschau, es wurden 48 Zwergspitze dem Richter M. Betz vorgestellt. Dieser schreibt in der Zeitschrift „Kynologische Sportwelt“ folgendes: „Im ganzen waren diese putzigen Dinger in Schwarz und Braun gute Exemplare. Leider mußte ich aber auch einige Exemplare sehen, die wohl sehr klein, im Köpfchen gut, aber in der Behaarung und Rute schlecht waren. Dies sind, obgleich von Haus aus solche, doch keine Zwergspitze, dies sind nur Schoßhunde.“
Der Spitz wird zum Pomeranian
Mitte des 18. Jahrhunderts kamen die ersten Spitze vom Kontinent nach England. Derfrüheste schriftliche Beleg hierfür findet sich im Begleitschreiben vom 28. November 1767 der Königin Charlotte, einer mecklenburger Prinzessin und Gattin des englischen Königs Georg III, mit dem sie Lord Haarcourt ein Pärchen „Pomeranian dogs“ direkt importiert „from Pomeranian“ schenkt. Hundert Jahre später widmet sich ihre Enkelin Queen Victoria engagiert der Spitzzucht. Es entsteht der heutige Pomeranian, dessen Standard 1870 offiziell vom Englischen Kennel Club anerkannt wurde. Schon 1905 waren auf einer Ausstellung des Kennel Clubs 125 Rassevertreter zu sehen. Die Größe der Pomeranian betrug damals oft über 30 cm. Als die englischen Züchter mit der Zeit feststellten, daß die Winzlinge im Wurf, waren sie erst einmal in das Deck und Zuchtalter gekommen, weder verkrüppelt noch verkümmert waren, begannen sie gezielt an der Verkleinerung des Pomeranian zu arbeiten. Im Laufe der Jahre fanden jene Züchter, die sich an den größeren Typ hielten, ihre Hunde grob und unelegant, im Gegensatz zu den Zwergzüchtungen. So kam es, daß der größere Spitz bald von den kleinen Pomeranian verdrängt wurde. Als oberste Größengrenze setzte der englische Standard 28 cm fest.
Auch in Mitteleuropa veränderte sich die Spitzzucht, die kleinen Spitze betreute nach dem Ersten Weltkrieg nur noch der Verein für Deutsche Spitze. Die Bezeichnung „Zwergspitz“ wurde abgeschafft und durch „Kleinspitz“ ersetzt, die Standard-Obergrenze mit 28 cm festgelegt.
Der Pomeranian kommt ins Land seiner Vorfahren zurück
Nach dem Zweiten Weltkrieg orientierten sich die Liebhaber kleiner Hunderassen hauptsächlich nach dem Mutterland der Kynologie, nach England. Viele in Deutschland weitgehend unbekannte Rassen gab es zu etablieren. Nachdem er den Chihuahua und den Chinesischen Nackthund in der Bundesrepublik populär gemacht hatte, entdeckte der Kleinhundezüchter und bekannte Richter Joachim Weinberg auf seinen Auslandsreisen den Pomeranian. Als er um 1970 die ersten Exemplare nach Deutschland importierte und beim Verein für Deutsche Spitze landete, hatte er wegen der Farbreinzucht bei den deutschen Kleinspitzen große Probleme, seine Hunde zu registrieren. Als er drei aus den USA importierte Junghündinnen 1973 in Kiel in der Kleinspitzklasse orange der Zuchtrichterin Martha Wiedermann vorstellte, stand im Richterbericht: „Diese drei Hündinnen sind von gleicher, zierlicher Größe, gut im Typ, dürften aber zur Zucht alle zu klein sein.“
Beinahe wären die Pomeranian im VK (Verband Deutscher Kleinhundezüchter) gelandet. In letzter Minute und unter maßgeblicher Mitwirkung des damaligen VDH-Präsidenten, Dr. Bandei, verhinderte der Hauptvorstand des Vereins für Deutsche Spitze dieser nahm sich des „ungewollten“ Kindes an und adoptierte es unter dem Namen „Zwergspitz“. Am 3. Februar 1974 beschloß der Hauptvorstand die Einführung des Zwergspitzes und die Änderung des Standards. Der damalige geschäftsführende Präsident Werner Jäger räumte in seiner nachfolgenden Erklärung in der Vereinszeitung ein, daß dem Vorstand bewußt war, für eine solche Entscheidung wäre die Generalversammlung zuständig gewesen, aber unter dem Druck des VDH mußte kurzfristig dieser Beschluß gefaßt werden, um die kleinen Spitze dem Verein zu erhalten.
In der Eile der Einführung hatte man im Standard bei den Zwergspitzen zwar die Farbe „andersfarbig“ zusätzlich aufgenommen, bei der Definition aber nur die Farben Blau, Creme, Biberfarben und Schecken aufgeführt. So kam, was kommen mußte: Bei der Bewertung der Zwergspitze hatten Richter, Züchter und Aussteller meist sehr unterschiedliche Ansichten. Auf der CACIB-Zuchtschau in Würzburg am 29. September 1974 beurteilt Rudolf Schmidt als Richter eine Import-Hündin von Loremarie Lutz mit den Worten: „Eine ganz zierliche Hündin, die man kaum anzugreifen wagt. Überraschenderweise auch hier ein gutes, vollständiges Gebiß.“ Am Ende der Berichte fügt er noch an: „Zu der Farbe Orange bei den vorgeführten Zwergspitzen muß noch gesagt werden, daß in den Stammbäumen Orange-Sable aufgeführt ist. Da wir diese Farbe nicht im Standard haben, müssen die Tiere eben nach unserem Orange benotet werden.“
Noch 1979 schrieb der damalige Richterobmann J. H. Wörner in den Vereinsnachrichten, daß die international gültigen Farben des Zwergspitzes jene bei der F CI hinterlegten sein müßten und nicht die im amerikanischen und englischen Standard aufgeführten wie Orange-Sable usw. Offizielles Ziel des Vereins war es viele Jahre, die Zwergspitze in das Schema der deutschen Farbreinzucht einzugliedern, aus heutiger Sicht eine für Züchter und Richter damals wie heute unlösbare Aufgabe.

Als kleinste Varietät haben wir dann noch den Zwergspitz, der bis zu 22 cm Schulterhöhe erreichen darf. Exemplare unter 18 cm sind in der Zucht und auf AussteIlungen allerdings unerwünscht, da die Gesundheit bei so kleinen .Exemplaren in der Regel nicht mehr gegeben ist. Der Zwergspitz wird auch als Pomeranian bezeichnet. Das rührt daher, daß dieser Größenschlag hauptsächlich aus den USA und Großbritannien unter diesem Namen Anfang der siebziger Jahre nach Deutschland importiert wurde. Der Ursprung dieser Zwergspitze liegt in aus Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg ausgeführten Kleinspitzen.
Das Wort Pomeranian sollte Sie aber nicht stören, es bedeutet lediglich einen Hinweis auf die deutsche Landschaft Pommern, die einst eine Hochburg der Deutschen Kleinspitzzucht war.
Seit einigen Jahren betreut der
Verein auch den Japan-Spitz. Diese dem weißen Mittelspitz ähnliche Spitz-Rasse kommt
ursprünglich aus Japan. Die Verwandtschaft zum Deutschen Spitz ist jedoch nicht zu Übersehen. Seine Idealgröße liegt bei 30 bis 38 cm Schulterhöhe. Im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern, ist das Zuchtgeschehen in Deutschland noch sehr gering.
Nachdem wir nun die verschiedenen Größen unserer Spitze betrachtet haben, wollen wir auf das Wesen und den Charakter eingehen. Der Spitz dürfte als eine der ältesten Hunderassen angesehen werden und wurde schon vor Tausenden von Jahren als Wachhund gehalten. Er wurde nicht als Jagdhund verwendet und hat daher als besondere Tugend wenig Hang zur Jagd. Er wildert nicht, das heißt, daß er nicht systematisch zur Jagd geht, selbstverständlich wird er auch mal einem Hasen nachjagen, aber er wird das schnell wieder aufgeben, denn er ist auch anatomisch nicht dazu gebaut. Durch seine ständige Verwendung als Wachhund hat er gerade diesen Instinkt ganz besonders entwickelt. Seine Zugehörigkeit zu seinem Herrn und die dadurch bedingte Anlehnung an diesen, machen ihn zum idealen Wächter für Haus und Hof. Unbestechlich, treu und keck, mißtrauisch gegen jeden Fremden sind seine hervorragenden Eigenschaften. Unsere Großen sind die geeigneten Hunde für den Hof oder das alleinstehende Haus, für jede Villa im Grünen, wie unsere Kleinen in jede Stadtwohnung passen.
Ein Wort zum Haarkleid unserer Spitze. Davor brauchen Sie keine Angst zu haben. Jeder Hund, auch der kurzhaarigste, macht jährlich seinen Haarwechsel durch. Bei regelmäßigem Bürsten (gegen den Strich) und nachfolgendem Abwischen mit einem feuchten Tuch wird er kaum Haare verlieren. Sollte dies trotzdem mal geschehen, so sind diese leicht aufzunehmen. Dann ist da noch das Vorurteil des Kläffens. Auch dies trifft nicht zu. Gehen Sie in eine große Hundeausstellung, und Sie werden feststellen, daß bei den Spitzen am wenigsten gekläfft wird. lm Hause seines Herrn allerdings hat er die Aufgabe, die Annäherung eines Fremden zu melden. Das wird seit allen Zeiten von ihm verlangt. Artgerecht gehalten wird er ohne Grund nicht bellen.

Auch zur Geschichte des Spitzes ist noch etwas zu sagen. Deutliche Spuren führen zurück bis zur Steinzeit, doch ganz klar finden wir den Spitz schon auf einer griechischen Vase um 400 v. Chr. Aus der Römerzeit sind Geldstücke (Münzen) gefunden worden, die deutlich den Spitz zeigen.
Welche Bedeutung muß also der Spitz schon damals für die Menschen gehabt haben, wenn man ihn immer wieder abgebildet hat. In den Kriegslagern des Mittelalters, auf den großen Kaufmannszügen, überall finden wir den Spitz als Wächter. Und die Zahl der Großen dieser Welt, ob es nun gekrönte Häupter, Künstler oder sonstige Geistesgrößen waren, der Platz würde nicht reichen, wollte man sie alle hier aufführen. Wer kennt nicht die Geschichte von der Witwe Bolte mit ihrem Spitz oder Mozarts Bimperl. Es würde an dieser Stelle zu weit führen, darauf im einzelnen einzugehen.