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Berger de Picard

Andere Namen: (Berger) Picard, Picardischer Schäferhund
Ursprungsland: Frankreich

Der Berger Picard ist die unbekannteste der vier von der FCI anerkannten Hirtenhunderassen Frankreichs. Neben dem Picard gibt es noch den Berger de Brie (Briard), den Beauceron und den kleineren Berger de Pyrénées.

Die Ursprünge des Picardischen Schäferhundes sind bis heute unklar, da früher alle rauhaarigen Hüte- und Treibhunde in Nordfrankreich „Picard“ und im französischen Teil Belgiens „Bouvier“ genannt wurden.
So sagte Willi Schneider einst: „Folgt man den Spuren des Berger de Picardie, dieses verlorenen Sohnes der französischen Kynologie, so scheint es oft, als läge der Nebel seiner Heimat auch auf den verworrenen Pfaden seiner Geschichte.“
Es existieren nur wenige Zeugnisse in der Kunst und Literatur, die Aufschluss über die Entwicklung dieser Rasse geben können. Fest steht allerdings, dass direkte Vorfahren des Picards mindestens seit dem 16. Jahrhundert als eigener Hütehundeschlag in Frankreich lebten.
Man nimmt an, dass sämtliche rauhaarige Hüte- und Treibhunde des Großraums Frankreich, Belgien, Holland, also Picards, Laekenois, Bouvier des Flandres, Bouvier des Ardennes und Rauhhaariger Holländischer Schäferhund, den selben Wurzeln entsprangen. Wobei der Picard und der heute vom Aussterben bedrohte Bouvier des Ardennes vermutlich den ursprünglichen Typ darstellen.

Die zuvor nur als Arbeitshunde gehaltenen Picards wurden erstmals zur Wende von 19. zu 20. Jahrhundert auch auf Ausstellungen präsentiert. Die französische Kynologie nahm aber bis in die 20er Jahre kaum Notiz von dieser Rasse.

Schließlich wurde aber durch die vereinten Anstrengungen von Robert Fontaine, dem Vizepräsidenten des Clubs St. Hubert du Nord, und seinen Mitstreitern, die sich intensiv für den Picard einsetzten, die offizielle Anerkennung durch die FCI. Der erste Weltkrieg unterbrach jedoch ihre Bemühungen.
1925 erkannten der Club Français du Chien de Berger und die Société Central Canine den Picard als offizielle französische Hütehunderasse an. So erlebte die Rasse in der Zwischenkriegszeit eine kurze Blüte.

Der zweite Weltkrieg und die Besatzungsjahre 1940-1944 machten die Aufbaujahre zunichte und der Rasse fast den gar aus. Nach dem Krieg machte sich der Züchter Jean Cotté aus Amiens auf Bauernhöfen auf die Suche nach überlebenden Hunden dieses Typs und kreuzte seine Findlinge mit Bouvier des Flandres. Aus diesem Zucht stammen die Hündin „Radjah de la Bohème“ und der Rüde „Wax de la Bohème“. Diese Hunde gelten als die Stammeltern der Rasse; Cotté startete mit ihnen im Zwinger „de la Bohème“ den Neuaufbau des Picard. Nahezu alle heutigen Rassevertreter lassen sich zumindest auf dem Papier auf Radjah und Wax zurückführen – zumindest auf dem Papier, denn bis heute bestehen Zweifel an der Richtigkeit der damaligen Stammbucheintragungen. In den 50er Jahren kamen dann noch zwei weitere Zuchtstätten hinzu, „du Clos des Ardents“ (Frau Margueritat) und „des Hautes Chesneaux“ (Herr und Frau Hecquet). Diesen drei Zwingern ist es zu verdanken, dass die Rasse heute noch existiert.

1953 wurde der „des amateurs du chien de Berger de Picardie“ gegründet und die ersten 18 Picards ins französische Hundezuchtbuch (LOF = Livre des Origines Français) eingetragen.
1954 fand die erste Spezialzuchtschau in Amiens statt. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten im Klub und Streitigkeiten mit der Société Central Canine (SCC) um den Eintritt verließen zahlreiche Züchter den Klub und gaben die Rasse auf. Wieder war der Picard fast am Nullpunkt angelangt.
1956 wurde die heute noch existierende Vereinigung „Les Amis du Berger Picard“ gegründet, die 1959 von der SCC anerkannt wurde.

Trotz dem steigenden Interesse hatte die Rasse immer noch mit dem Problem zu kämpfen, dass sie auf einer Inzuchtspopulation aufgebaut wurde. Der erste im LOF eingetragene Wurf wies einen Inzuchtskoeffizienten von 37,5 %, ein 1958 eingetragener Wurf sogar von 53,12 % auf. Der „Ahnenverlustskoeffizient“ dieses Wurfes betrug 19,35 %, das heißt in fünf Generationen sind statt 62 möglichen verschiedenen Ahnen nur noch zwölf zu finden. Den Züchtern Sénécat („du Grand Tarsac“) und Lampert („de la Franche Pierre“) gelang es, den hohen Inzuchtskoeffizienten bis Anfang der 60er Jahre auf ungefähr 20 % zu senken.

Zucht in Frankreich heute:
Der Picard war lange Zeit nur regional bekannt und verbreitet und steht heute noch auch in seinem Heimatland im Schatten von Briard und Beauceron. Dies beweist das Zuchtregister der SCC, in dem 1988 ungefähr 50.000 in Frankreich lebende Briards, ungefähr 30.000 Beaucerons und nur Picards eingetragen sind, bis heute sind es in etwa 7000. In den 80ern wurden circa 300 Welpen pro Jahr registriert, seit 1990 ist die Entwicklung wieder leicht rückläufig.

Seit den 70er Jahren werden Picards auch ins Ausland exportiert und auch dort gezüchtet. Der derzeitige Weltbestand wird auf ungefähr 3000 Tiere geschätzt; so scheint die Zukunft der Rasse vorerst gesichert zu sein.

Zucht in Deutschland: Hier werden diese Hunde, betreut vom Club für französische Hirtenhunde, seit 1986 gezüchtet. Heute leben etwa 300 Picardische Schäferhunde in der Bundesrepublik.

Zucht in Österreich: Als erster Picard kam 1983 die Hündin „Unique de la Grignauderie“ nach Österreich. Der erste Wurf fiel 1987 im Zwinger „von der großen Linde“, der zweite 1989. Mittlerweile gibt es nur mehr den Zwinger „de la Vallée du Mouton“ der Familie Janes, in dem bis jetzt zehn Würfe gefallen sind.
Bis heute wurden circa 94 Welpen und Importe ins ÖHZB eingetragen, Im Land leben aber nur etwa 30 Tiere, da die meisten ins Ausland verkauft wurden.
Die Rasse wurde bis vor etwa zwei Jahre vom „Verein für Französische Schäferhunde in Österreich“ betreut, heute untersteht sie direkt dem ÖKV.

Charakter:
„Das große Hundebuch“ lobt den Charakter des Picards: „Er ist kinderlieb, anhänglich, brav und treu, und man sieht in ihm einen der besten Schutzhunde überhaupt.“
Während die Autoren von „Hunderassen – Merkmale, Haltung, Pflege“ ihn weit kritischer beschreiben: “ …doch gilt er als zu scharf und ist daher nur für Hundeführer zu empfehlen, die sich durchsetzen können.“
Er ist zwar Fremden gegenüber reserviert, aber verträglich mit Kindern und anderen Hunden. Dieser Hund benötigt vor allem viel Bewegung, konsequente, aber auch liebevolle Erziehung und menschliche Gesellschaft.

Heutige Verwendungsmöglichkeiten:
Familien- und Begleithund, Schutz-, Fährten-, Rettungs- und Lawinenhund, Agility, Hundesport, Gehörlosenhund.

Gewicht: 23 – 32 kg
Größe: Rüden: 60 – 65 cm, Hündinnen: 55 – 60 cm
Ohren: aufrecht getragen, hoch angesetzt
Augen: mittelgroß, dunkel
Rute: bis zum Sprunggelenk, mit leichter Krümmung
Fell: hart, mittellang, muss unter den Fingern knirschen, feine Unterwolle
Farbe: grau, grau-schwarz, grau-blau, grau-rot, braun ohne große weiße Abzeichen