Was ist Sea Shepherd?

Wie militant darf man sein, wenn man die bedrohte Natur schützen möchte? Immer mehr Arten stehen auf der roten Liste oder sind sogar bereits ausgestorben. In den allermeisten Fällen ist allein der Mensch mit seiner Industrialisierung daran schuld. Der Mensch vernichtet die Natur und betreibt Raubbau an ihr.

Würde es nicht erste Bemühungen geben, um bedrohte Tiere zu schützen, dann sähe es durchaus schlimmer aus. Viele Tierarten können nur noch dann existieren, wenn sie unter Schutz gestellt werden oder wenn ihre Lebensräume geschützt werden. Es gibt somit genügend Gründe für Paul Watson, um militant zu werden. Dieser gute Mann gehörte zu den ersten Mitgliedern von Greenpeace. Jedoch gab es Interessenskonflikte. Paul Watson ist der Meinung, dass man seine Interessen durch Taten erreichen kann und greift Menschen, die Raubbau an der Natur betreiben, offen an. Natürlich immer ohne dabei Menschen zu verletzen. Jedoch ist dieser Mann der Meinung, dass man den Übeltätern durchaus ihr Handwerkszeug sabotieren und vernichten kann, damit sie ihre Missetaten einstellen müssen.

Das ging den Mitgliedern von Greenpeace zu weit. Sie haben befürchtet, dass sie als militante Randgruppe keinen Einfluss auf Regierungsorganisationen ausüben können. Sie wollten eher gemäßigte Züge annehmen und so trennte man sich im Jahr 1977 voneinander. Paul Watson ist ein Mann der Taten, er gründete im gleichen Jahr die Stiftung Sea Shepherd Convervation Society oder kurz Sea Shephard. Es handelt sich um eine Non-Profit-Organisation, die von Spendengeldern lebt.

Sea Shepherd oder zu Deutsch „Meereshirte“ verpflichtet sich dem Schutz der Meereslandschaft mit ihren Bewohnern. Die Aktionen richten sich gegen den Wahl-und Delphinfang, gegen den Robbenfang und gegen den Fischfang. Aktiv wird man jedoch nur gegen illegale Fischer, Wahlfänger und Robbenjäger. Gegen einen legalen Fischfang wird nicht vorgegangen, auch wenn dieser oft bereits sehr bedenklich ist. Jedoch möchten die Mitglieder von Sea Shepherd nicht zu Straftätern werden. Sie wollen Straftätern das Handwerk legen. So wird massiv Sabotage an der Ausrüstung der Missetäter verübt und dennoch kam es noch zu keiner Verurteilung gegen Sea Shepherd. Dieses gibt Paul Watson recht: Man kann etwas machen, ohne sich dadurch selber zu gefährden.

Die Öffentlichkeit

Ein Großteil der Öffentlichkeit findet Sea Shepherd sympathisch, da diese Stiftung sich massiv für den Schutz bedrohter Tiere einsetzt. Es handelt sich zudem um eine sehr bekannte Organisation. Die meisten Menschen sind dadurch natürlich noch keine Sympathisanten. Diese gibt es jedoch reichlich. Es geht von Privatspendern, die fünf Dollar über haben bis zu Prominenten, die gleich fünf Millionen Dollar spenden. Zudem gibt es z.B. Kleidung mit dem Logo von Sea Shepherd, vom Verkaufserlös wird ein kleiner Teil gespendet. Diese kleinen und großen Spenden summieren sich schnell zu Millionenbeträgen, mit denen das Unternehmen inzwischen fünf große Schiffe und einige kleinere unterhält.

Durch dieses Geld sind viele Aktionen möglich, mit denen man wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht. Es handelt sich um eine Aufwärtsspirale, die Stiftung kann seit Jahren weiter wachsen.

Im öffentlichen Bild sind Wale und Delphine intelligente Tiere, die aufgrund ihrer Intelligenz nicht als Nahrungsquelle dienen sollten. Es handelt sich um Tiere, die erhalten bleiben sollen. Die Öffentlichkeit ist der Meinung, dass diese Tierarten es wert sind, sie zu schützen. Die meisten Menschen verstehen es nicht, dass immer noch Wale und Delphine gejagt werden. Jemand, der gegen diesen Fang etwas unternimmt, ist somit direkt sehr sympathisch. Allein mit dem Ziel, die Meeressäuger zu schützen, nimmt Sea Shepherd eine Position ein, die von den Massen respektiert oder sogar unterstützt wird.

Schiffe versenken

Um es mal auf den Punkt zu bringen, wie militant Paul Watson gegen seine Gegner vorgeht, ist zu erwähnen, dass sich Sea Shepherd rühmt, bereits zehn Walfänger versenkt zu haben. Das erste Schiff, die Sea Shepherd, wurde im Jahr 1978 gekauft. Eine der ersten Missionen war die Jagd auf den Walfänger Sierra. Es handelt sich um einen illegalen Wahlschlächter, alle Aktionen richten sich gegen illegale Machenschaften. Dennoch wird viel Wert darauf gelegt, keine Menschen zu verletzen. Die Sierra wurde im Juli 1979 im Hafen Leixoes in Portugal gerammt und sehr schwer beschädigt. Das Schiff wurde jedoch repariert. Am 6.02.2980 konnte dieses Schiff allerdings im Haven von Lissabon versenkt werden und wurde danach durch die Betreiber aufgegeben. Es handelt sich um einen Akt der Gewalt, der mit Greenpeace nie möglich gewesen wäre. Jedoch gibt es durch diesen Akt einen illegalen Walfänger weniger. Das allein mag nur der Tropfen auf den heißen Stein sein. Viel wichtiger ist jedoch, dass dieser Vorfall durch die Öffentlichkeit wahrgenommen wird, um über dieses Thema aufzuklären. Die öffentliche Diskussion über dieses Thema ist viel entscheidender, als das es einen Wahlfänger weniger gibt.

In den Jahren 1980 bis 1998 folgten weitere Wahlfänger. Sie konnten jedoch nicht gänzlich ohne Verluste versenkt werden. Auch die Wahlfänger wollen sich durchsetzen, sie lassen sich nicht einfach alles gefallen. Ein tragischer Vorfall ereignete sich im Jahr 2009, als die japanische Walfangflotte in der Antarktis die Mission hatte, 850 Zwergwale und 50 Finnwale abzuschlachten. Sea Shepherd sandte die Ady Gil, um dieses Vorhaben zu vereiteln. Dieses Schiff lag dicht bei den Walfängern, als es zu einer Kollision kam, bei der der Bug abgerissen wurde. Das Schiff war derart stark beschädigt, dass die Besatzung evakuiert werden musste. Nach zwei Tagen sank die Ady Gil. Für diesen Vorfall gibt es zwei unterschiedliche Sichtweisen.

Von beiden Seiten nimmt man sich keine Schuld an und wirft der Gegenseite die aktive Handlung vor. Aus der Sichtweise von Sea Shephard provozierte man zu dem Zeitpunkt den Gegner nicht. Ein Begleitschiff des Mutterwahlfängers nahm plötzlich Fahrt auf und rammte die Ady Gil. Die Walfänger erklären hingegen, dass die Besatzung der Ady Gil die eigenen Besatzungsmitglieder mit Laserpointern blendete, dann Fahrt aufnahm und das Begleitschiff rammte, das sich mit Wasserwerfern wehrte. Die zuständigen Neuseeländer und Australier waren empört und haben Ermittlungen eingeleitet.

Bereits am 6. Februar 2010 kommt es zu einem erneuten Vorfall. Die Bob Barker kollidiert mit der Yushin Maru 3. Wieder geben beide Seiten einander die Schuld und wollen als Opfer angesehen werden. Paul Watson erklärt nach diesem Vorfall, dass die Walfänger praktisch für die Versenkung der Ady Gil nicht bestraft wurden und somit meinen, dass sie weiter machen können. Dabei hätten sie nicht einmal davor Bedenken, die Crew von Sea Shepherd in Gefahr zu bringen.

Es gab in den Jahren zuvor weitere Vorfälle, bei denen ganze Schiffe aufgegeben wurden, da sie im Kampf beschädigt wurden. Jedoch wird jeder dieser Rückschläge medienwirksam genutzt, um weitere Spendengelder zu erwirken, mit denen der Kampf fortgesetzt werden kann.

Was erreicht wurde

Es sollte erst einmal erklärt werden, dass Sea Shepherd nur eine Handvoll Aktivisten sind, die sich wirklich viel Mühe geben, etwas zu erreichen. Von so wenigen Menschen kann jedoch nicht erwartet werden, dass sie die ganze Welt in zwei Jahren ändern können. Aber auch so haben sie bereits einiges erreichen können. Der vielleicht wichtigste Punkt besteht in dem, dass sie die internationalen Medien auf Missstände aufmerksam machen. Es gibt einen massiven illegalen Fisch- und Walfang und die Kriminellen werden praktisch gesehen nicht verfolgt. Sie fischen, obwohl sie ihre Quoten erreicht haben und gefährden damit die Fischbestände als Nahrungsgrundlage für zukünftige Generationen. So wird heute bereits vermutet, dass es die internationale Fischerei im Jahr 2050 nicht mehr geben wird, da es keinen Fisch mehr gibt. Das sind in Betracht zur wachsenden Weltbevölkerung allarmierende Zahlen, denn wie sollen all die Menschen ernährt werden?

Sea Shepherd kennt nur eine Antwort und die lautet Aktivismus. Der große Feind wird dabei in der japanischen Fischerei gesehen, die massiven Raubbau betreibt und sich nicht an Fangquoten hält, somit also illegal fischt. Die Aktivisten greifen die Fischerverbände immer wieder an, um ihnen die Treibnetze abzuschneiden. Diese werden anschließend entsorgt, um keine Todesfalle für Meereslebewesen zu sein. Natürlich können fünf Schiffe gegen hunderte oder tausende Fischereischiffe nicht viel bewirken. Sea Shepherd versucht jedoch die Öffentlichkeit hinter sich zu stellen, damit verantwortliche Stellen handeln müssen. Dieses hat dann beim Walfang tatsächlich funktioniert.

Hier konnte die japanische Walfangflotte massiv behindert werden. Offizielle Stellen lassen verlauten, dass die Fangziele nicht erreicht wurden. So konnten z.B. anstelle von 850 Walen nur 170 gefangen werden. Dieses führt dann im Jahr 2011 dazu, dass der japanische Minister für Landwirtschaft, Forst und Fischerei, Michihiko Kano, erklärt, dass der Walfang aufgrund der Aktivitäten von Sea Shepherd in den antarktischen Gewässern eingestellt wird. Es stellt sich ohnehin die Frage, wozu zu Forschungszwecken so viele Wale geschlachtet werden sollen. Denn offiziell jagt Japan nur noch zu Forschungszwecken, da ein anderer Walfang ausschließlich den Naturvölkern zur Eigenversorgung zugestanden wird und ansonsten weltweit ausgesetzt worden ist. Nur wenige Nationen halten sich nicht daran oder arbeiten mit Ausnahmeregelungen wie die Japaner. Oder sie jagen gänzlich illegal weiter und geraten dann sehr schnell in den Blickpunkt von Sea Shepherd.

Wenn bedacht wird, dass Sea Shepherd eine nur kleine Aktivistengruppe ist, dann haben sie bereits einiges erreicht. Durch sie leben einige hunderte Wale noch und können sich vermehren. Durch sie gibt es zehn Walfangschiffe weniger. Durch sie werden der Welt Zeichen gesetzt. Die Öffentlichkeit wird für die gesamte Problematik sensibilisiert. 

Das passiert leider keine Minute zu früh. Weite Fischgründe sind bereits soweit zusammen gebrochen, dass sie sich vermutlich über Jahrzehnte nicht stabilisieren können. Einige Walarten sind derzeit

massiv vom Aussterben bedroht und werden vermutlich nicht mehr zu retten sein. Die Eingriffe des Menschen in das Ökosystem Meer sind somit bereits heute spürbar. Es ist allerhöchste Zeit, dass internationale Regulierungen härter durchgreifen, um eine weitere Überfischung sofort zu stoppen.

Aufgrund der Erfolge von Sea Shepherd ist es zu befürworten, diese Aktivisten zu unterstützen. Dieses kann über eine Spende oder den Kauf von Sea Shepherd Produkten geschehen. Es hilft allerdings zudem, wenn die Botschaft weiter getragen wird, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Es hilft, wenn umweltbewusste Politiker unterstützt werden, wenn Unternehmen, die Raubbau an den Meeren betreiben, boykottiert werden und wenn Petitionen gezeichnet werden. Mit diesem Rückhalt in der Gesellschaft kann Sea Shepherd einiges mehr erreichen.

In der Doku mitgefilmt

Das öffentliche Interesse an Sea Shepherd ist im Laufe der Zeit immer weiter angewachsen und so begann 2007 der Discovery Channel mit einer dokumentarischen Produktion zu der Organisation. Die Reality-Doku heißt „Whale Wars“ und wird auf fünf der sechs Sea Shepherd Schiffen gedreht. Im Grundsätzlichen geht es um den Kampf von Paul Watson gegen den japanischen Walfang. Inzwischen sind bereits fünf Staffeln mit insgesamt 53 Folgen erschienen, die dem Sender Animal Planet Rekord Einschaltquoten beschert hat. Dieses beweist, dass ein großes öffentliches Interesse an dem Kampf von Sea Shepherd existiert und es einen enormen Rückhalt für die Aktivisten aus der Bevölkerung gibt. Die ersten Folgen wurden ab November 2008 ausgestrahlt, in Deutschland wurde ab März 2009 gesendet. Seit 2013 gibt es ein Spin-Off zur Serie. Thema ist der färöische Walfang, der auch bekämpft wird.

Sea Shepherd bietet mit seinen eigenständigen Schiffen immer genug Material zum Schneiden einer etwas dramatisierten Darstellung. Immerhin werden die Schiffe unentwegt zu Missionen eingesetzt, um gegen den illegalen Walfang vor zu gehen. Die Doku ist ein Mix aus schönen Naturbildern und einem unaufhörlichen Konflikt mit japanischen Walfängern. Somit ist zum einen für faszinierende Bilder gesorgt sowie es immer genug Action gibt, um das Publikum zu fesseln.

Medienwirksame Darstellung

Für Sea Shepherd ist die Doku eine äußerst medienwirksame Kampagne. Somit steigt der Bekanntheitsgrad der Organisation weiter an. Zudem wird genau das Bild in der Öffentlichkeit gegeben, das Paul Watson sich wünscht: Er und seine Aktivisten kämpfen einen gerechten und notwendigen Kampf gegen Kriminelle. Er ist der Sherif der Meere, der die schwachen Geschöpfe schützen muss. Mit dieser medienwirksamen Darstellung wachsen natürlich auch die Spendeneinnahmen, mit denen das Gesamtprojekt weiter wachsen kann.

Sea Shepherd hat von Anfang an auf die Öffentlichkeitsarbeit gesetzt, da die gesamte Organisation zum einen von den Spendengeldern lebt und zum anderen mit der öffentlichen Meinungsbildung mehr bewegen kann, als mit den eigenen Aktionen. Wenn die weltweite Öffentlichkeit gegen die Ausbeutung der Meere ist, dann müssen Politiker reagieren und somit wird diesem Missstand immer energischer entgegen gewirkt. Damit sich die öffentliche Meinung jedoch in diese Richtung bilden kann ist es erst einmal notwendig, die Menschen auf die Sachlage aufmerksam zu machen. Genau das ist das Ziel von Sea Shepherd und deswegen freut man sich sehr, dass einige der eigenen Aktionen verfilmt und ausgestrahlt werden.

Wale als schützenswerte Lebewesen

Sea Shepherd müht sich besonders um den Schutz der Wale, die mit den meisten Arten in ihrer Population deutlich zurück gegangen sind oder bereits als bedroht gelten. Wale haben einmal an Land gelebt, sie sind eng mit den Paarhufern verwand. Vor rund 50 Millionen Jahren begannen die Vorfahren der Wale damit, immer intensiver im Wasser zu leben. Sie konnten zwar an Land gehen, haben jedoch im Wasser Schutz und Beute gesucht. Die heutigen Wale unterteilen sich in zwei große Stämme, es handelt sich um die Bartenwale und um die Zahnwale. Die Bartenwale sind mit dem Blauwal die größten Tiere, die es jemals gegeben hat.

Ein Blauwal wird über 33 Meter lang und wiegt bis zu 200 Tonnen. Sein Herz ist so groß, dass man hineinpassen würde. Der Blauwal ist ein Bartenwal, diese werden im Schnitt größer als die Zahnwale. Bartenwale leben von Kleinstlebewesen im Wasser. Die Barten sind viele Lappen im Maul, mit denen das Wasser gefiltert wird. Die Kleinstlebewesen bleiben zurück und können geschluckt werden. Ein Bartenwal muss viele Kubikmeter Wasser filtern, um Satt zu werden. Zahnwale hingegen sind Räuber, praktisch alle Delphine gehören zu den Zahnwalen. Der Pottwal ist derzeit das größte räuberische Lebewesen. Er kann bis zu zwei Stunden die Luft anhalten und taucht bis zu 3000 Meter tief. Er jagt Riesentintenfische, die sich oft heftig wehren. Die Narben ihrer Saugnäpfe zieren die Haut vom Pottwal.

Es gibt rund 80 Walarten, die bis auf wenige Ausnahmen im Meer leben. Die Ausnahmen leben in Flüssen oder Flussmündungen. Es handelt sich um kleinere Delphine, die zu der Gattung der Wale gehören. Wale sind perfekt an das Leben im Wasser angepasst. So ist ihr Nasenloch immer weiter auf den Nackenbereich gerutscht. Somit ist es ein Leichtes, Luft zu holen.

Die Lungen der Wale sind verhältnismäßig klein, werden allerdings zu 90% genutzt. Der Mensch nutzt seine Lungen nur zum kleinen Teil. Zudem ist es dem Wal möglich, den lebenswichtigen Sauerstoff im Muskelgewebe einzuspeichern. Er kann nicht in den Lungen gespeichert werden, da diese unter dem Druck der Tiefsee zusammen gedrückt werden. Langtauchende Wale sind dazu in der Lage, Körperfunktionen auszusetzen, um weniger Sauerstoff zu verbrauchen. So schaltet der Pottwal seinen Verdauungstrakt aus, wenn er taucht, er stellt diesen erst wieder an, wenn er an der Oberfläche ist. Wale leben ausschließlich im Wasser und können an Land nicht überleben. Wenn sie stranden, dann trocknen sie aus, sie überhitzen, ihre Körpermasse drückt sie zusammen und sie können nicht atmen, teils brechen sogar ihre Rippen. Je größer ein gestrandeter Wal ist, umso schwieriger ist es, ihn lebendig ins Meer zurück zu bringen. Wale gebären lebend und zwar mit der Schwanzflosse zuerst, damit die Kälber länger über die Nabelschnur versorgt werden. Sie müssen sofort an die Luft und atmen. Die Milch der Mütter ist sehr fetthaltig und hat einen enormen Nährwert. Trotz der eisigen Meere an den Polarkreisen halten Wale in ihrem Innern ihre Körpertemperatur, wie es alle Säuger machen.

Wale sind in der Regel gesellige Tiere, die in Populationen von zehn bis 50 Exemplaren leben. Diese Gruppen werden Wal- oder Delphinschulen genannt. Die Wale berühren und stupsen sich gerne und sind höchstens aggressiv, wenn das Futter knapp wird. Männliche Tiere kämpfen oft um den Rang und rammen und beißen sich. Diese Kämpfe sind für die Tiere eher ungefährlich. Eigentlich nur kleinere Wale oder Kälber haben natürliche Fressfeinde. Dabei kommt es vor, dass Wale auf Wale Jagd machen. Gerade der Schwertwal bildet Schulen aus um in der Gruppe auch größere Gegner anzugreifen. Es kommt durchaus vor, dass Walgruppen eigene Jagdtechniken erlernt haben und an ihren Nachwuchs vererben. Es kommt auch vor, dass Delphine zusammen mit Tunfischen oder Menschen jagen.

Recht häufig jagen Wale im Verband, um die Nahrung zusammen zu treiben. Es sind einst Behauptungen laut geworden, dass Wale den Menschen den Fisch klauen würden. Diese Behauptungen sind nicht haltbar. Im Gegensatz zum Menschen sind Wale nicht dazu in der Lage, einen Fischbestand zu überfischen. Wenn Fischbestände zurück gehen, dann ist immer der Mensch allein daran schuld.

Wale und Delphine sind ein Teil der Natur und stören diese nicht. Bemerkenswert ist es, dass die Wale eine Lautsprache haben. Einige Walarten können Kommandos geben, um gemeinsam bei der Jagd Erfolg zu haben. Diese Laute sind je nach Gattung hunderte Kilometer weit hörbar. Der Blauwal kann sich praktisch von einem Ozeanende mit einem anderen Exemplar am anderen Ende verständigen, da seine tiefe Stimme durch das Wasser extrem weit getragen wird. Bei den männlichen Walen wird vom Walgesang gesprochen. Mit diesem sollen die Kühe verzaubert werden. Der Buckelwal ist ein sehr guter Sänger. Er singt in einer bestimmten Tonfolge, die von Jahr zu Jahr geändert wird. Eine Population singt dabei immer das gleiche Lied. Es gibt Delphine, die sich Laute als Namen geben. Auch Wale haben Stimmlagen und so können sie sich in der Masse sehr gut auseinander halten. Diese Fähigkeit der Lautsprache zeugt von Intelligenz, die je nach Gattung verschieden stark ausgeprägt ist.

Ernsthaft bedrohte Wale

Sea Shepherd bekämpft den Internationalen Walfang mit harten Bandagen. Dabei ist dieses eigentlich das kleinere Problem für diese Lebewesen. Immerhin ist der Internationale Walfang bis auf Ausnahmen untersagt und bis auf Ausnahmen halten sich die Fischereiorganisationen daran. Somit werden schätzungsweise nur wenige tausend Wale im Jahr gefangen. Das war zu Zeiten des Walfangs natürlich anders, es wurden jedes Jahr hunderttausende Wale gefangen. Die Bestände einiger Arten haben sich von hunderttausenden auf tausende oder weniger minimiert. Wäre dieser Walfang nicht gestoppt worden, dann wären viele Arten bereits für immer verloren.

Das derzeitige Problem ist jedoch ein anderes: Es sterben nach offiziellen Schätzungen jedes Jahr allein 300.000 Wale und Delfine als Beifang im internationalen Fischfang. Alle zwei Minuten verendet ein Tier! Die Wale können die dünnen Nylon Treibnetzt nicht erkennen und verfangen sich schnell in diesen. Sie sind nicht mehr dazu in der Lage aufzutauchen und ersticken. Es wird geschätzt, dass praktisch 40% der gefangenen Fischmasse als Beifang über Bord geworfen wird, die Wale gehören mit dazu. Es wird natürlich vereinzelt geforscht, ob man die Netze nicht irgendwie sichtbarer gestalten könnte, vielleicht mit Akustiksignalen. Bislang konnten hier jedoch noch keine sonderlichen Erfolge erzielt werden. Solange mit riesigen Treibnetzen gefischt wird, werden Wale und Delfine grausam verenden. Davon sind einige Arten betroffen, von denen es nur noch wenige hundert Exemplare gibt. Es muss befürchtet werden, dass diese Arten auch ohne den Walfang aussterben werden und für unsere Welt für immer verloren gehen.

Ein Beispiel für Walfang und eines für Beifang:

Der Blauwal ist mit bis zu über 33 Metern Länge und bis zu 200 Tonnen Gewicht das bislang größte Tier, das auf der Erde gelebt hat. Dieser Wal ist so groß, dass er zuerst nicht gefangen werden konnte. Dann wurden jedoch Harpunenkanonen mit Sprengsatz entwickelt. Nun wurde ab Mitte des 19ten Jahrhunderts die Jagd eröffnet. Um 1920 schätzt man, dass es noch über 220.000 Blauwale gibt.

Jedoch wurde diese Spezies sehr extrem bejagt, 1960 wird der Bestand auf rund 1000 bis 3000 Exemplare geschätzt. Ab 1972 sind allerdings internationale Schutzbestimmungen in Kraft getreten. So wird der heutige Bestand auf rund 10.000 bis 20.000 Exemplare geschätzt.

An diesen Zahlen lässt sich erkennen, wie massiv der Walfang eine Spezies in nur wenigen Jahrzehnten an den Rand der Ausrottung bringen kann. Es zeigt sich jedoch auch, dass Schutzmaßnahmen funktionieren können und sich die Bestände erholen. Es ist jedoch zu erklären, dass der Blauwal einer der Wale ist, der sich nicht so häufig in Treibnetzen verfängt oder ansonsten die Kraft hat, sich zu befreien. Diese Kraft haben kleinere Wale hingegen nicht. Wenn in ihrem Lebensraum mit Treibnetzen gefischt wird, dann reicht das häufig aus, um ihre Bestände weiter zu dezimieren, obwohl sie nicht gejagt werden. So wurde der letzte chinesische Flussdelfin im Jahr 2002 gesehen, eine Suche in späteren Jahren schlug jedoch fehl. Auch dieser Wal wurde nicht mehr bejagt und wurde vermutlich durch die Treibnetze ausgerottet. Ansonsten gibt es die meisten Walarten noch, auch wenn einige Unterarten wirklich extrem bedroht sind.

Das Sonar

Ein weiteres Problem für Wale ist das Militär mit seinen Kriegsschiffen. Diese setzen Sonar ein, mit dem sie U-Boote finden möchten. Das Sonar ist für die Wale ein sehr lautes und störendes Geräusch, das sie nicht nur verunsichert, es löst im Gehörgang auch Schmerzen aus. Leider ist das Sonar sogar über hunderte Kilometer zu hören. Wenn ein Kriegsschiff auf die U-Boot Jagd geht und Sonar einsetzt, dann kann dieses Wale in Panik versetzen. Wenn sie gerade sehr tief tauchen geraten sie in Angst und wollen schlagartig auftauchen. Dieses können jedoch auch Wale nicht, im Regelfall tauchen sie langsam auf, damit sich der Stickstoff aus dem Körper ins Blut lösen kann und dann an die Lungen abgegeben wird. Wenn der Wal schlagartig auftaucht, dann tritt die berüchtigte Taucherkrankheit ein. Der Stickstoff perlt wie Kohlensäure aus und lässt die Arterien platzen. Überall im Körper bilden sich Luftblasen, die sehr störend wirken. Der Blutfluss wird unterbunden. Es kommt zu massiven Schäden in den Organen und im Gehirn. Es treten innere Blutungen auf. Diesen Zustand kann man nicht mehr heilen, es kann nur noch abgewartet werden, in den meisten Fällen tritt der Tod nach einigen Stunden ein.

Somit töten Kriegsschiffe ganz nebenbei etliche Wale. Die Militärs sind sich jedoch keiner Schuld bewusst und erklären, dass die Tiere krank gewesen sind. Außerdem können sie nicht auf das Sonar verzichten. Demnach werden auch zukünftig viele Wale aufgrund ihrer Panik sterben.

Die Umweltverschmutzung

Der Mensch vergiftet seine Umwelt und somit auch die Meere. Jedes Lebewesen im Mehr ist den Schwermetallen, Dioxinen und Pestiziden ausgesetzt. Jedes Lebewesen reichert diese Gifte im Laufe seines Lebens an. Wenn diese Lebewesen gefressen werden, dann werden sich diese Gifte im Räuber noch massiver anreichern. Dieses ist ein Effekt in der Nahrungskette. Wer zum Schluss kommt, weil er die anderen frisst, der hat die höchsten Anteile an Giftstoffen im Körper. Wenn man zudem noch sehr alt wird, dann ist das eine Menge Zeit, in der sich die Gifte anreichern können. Wale stehen am Ende der Nahrungskette und sie werden sehr alt. Die Gifte reichem sich in ihren Körpern an und machen sie krank. Wie krank würden dann wir Menschen werden, wenn wir die Wale essen? So betrachtet ist Walfleisch eine tickende Zeitbombe und sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht verzehrt werden.

Zumindest sinkt die Lebenserwartung der Wale aufgrund der Umweltbelastung. Sie neigen eher zu Erkrankungen oder zu Organversagen. Theoretisch ist es möglich, dass die Meere irgendwann so versucht sind, dass die ersten Wale daran zugrunde gehen und aussterben.