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Islandhund

Im 7. Jahrhundert n. Ch. besiedelten keltische und germanische Stämme aus Schottland, Irland und Skandinavien Island. Wahrscheinlich brachten sie bereits die ersten Hunde auf die Insel.
Im 8. und 9. Jahrhundert kamen auch Bauern aus Westnorwegen, der Finnmark, Norbotten und anderen teilen Nordskandinaviens, mit Sicherheit begleitet von ihren Arbeitshunden.
Ab etwa 880 n. findet man erste Hinweise auf Schafzucht und kleine Schäferhunde in der isländischen Sagaliteratur. 1492 finden diese Hunde auch Erwähnung in der berühmten Sturlunga Saga und zahlreichen anderen Quellen bis ins 16. Jahrhundert.
In 19 alten Grabstätten wurden Knochen entdeckt, die zeigen, dass die frühen Vorfahren des Islandhundes dem spitzartigen Torfhund entsprochen haben dürften und waren dem heutigen Buhund wahrscheinlich sehr ähnlich, dessen Vorfahren schon seit Wikingerzeit in Westskandinavien heimisch waren. So ist anzunehmen, dass Islandhund und Buhund eng miteinander verwandt sind und sich nur geographisch getrennt separat entwickelten.

Es gibt Zeichnungen aus dem 18 Jahrhundert und Fotos vom Anfang unseres Jahrhunderts, die schwarz-weiße, stockhaarige, border- oder arbeitscollieähnliche Hunde mit Kippohren und geringelter Rute zeigen. Wahrscheinlich gab es damals sowohl kipp- als auch stehohrige Islandhunde; heute sind jedoch nur mehr Stehohren standardgemäß.

Im späten 19. Jahrhundert versuchte man die Rasse durch Einkreuzung schottischer Arbeitscollies zu verbessern. Dies entpuppte sich aber als Fehler, da die Schäferhunde in Großbritannien eine völlig andere Arbeitsweise haben und sie anderes trainiert werden.
In Großbritannien mussten die Schäferhunde selbst die Herden zusammentreiben und dabei auf die Zurufe ihrer Besitzer reagieren. In Island jedoch wurden und werden heute noch die frei lebenden Schafe zu Fuß oder zu Pferd zusammen getrieben und die Aufgabe der Hunde ist es die Schäfer zu unterstützen indem sie die Schafe aufspüren.

1875 schrieb Sir Richard Burton, dass ein guter Hund so wertvoll sei wie ein Pferd.
In Island gab es häufig Probleme mit der Echinococose [Bandwurm], mit deren Verbreitung wurden die Hunde in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund wurde in Reykjavik ein Hundehaltungsverbot erlassen und am Land Spezialbehandlungsstationen für Wurmkuren errichtet.
Außerdem wurde die Insel von elf schweren Seucheepidemien heimgesucht, von denen die erste 1591 und die letzte um die Jahrhundertwende ausbrachen. Diese wurde vermutlich durch importierte Schlittenhunde eingeschleppt und mehr als 3/4 der Hundepopulation vielen ihr zum Opfer. Der Verlust ihrer Hunde hatte auch für die Schafhalter fatale Folgen.

Um weitere Epidemien zu verhindern wurden 1869 die ersten Hundekontrollgesetze erlassen, ab 1892 durften Hunde nur noch mit Erlaubnis eingeführt werden und seit 1928 gilt das totale Einfuhrverbot für Säugetiere.
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur noch wenige reinrassige Islandhunde. Durch die Stationierung fremder Truppen und den Aufenthalt von Flüchtlingen im zweiten Weltkrieg kamen wieder andere Rassen nach Island und es kam erneut zu Verkreuzungen. Hinzu kam noch die Einrichtung von Zäunen die zahlreiche Hunde arbeitslos machte. So kam es dazu das die Rasse Mitte des Jahrhunderts kurz vor dem aussterben war.

Schließlich machte sich der Engländer Mark Watson, der auf seinen beiden Islandreisen in den 30er und 50er Jahren auf die Rasse aufmerksam wurde, auf die Suche nach Rassevertretern und fand 8 bis 9 Hunde auf Höfen an der Ost- und Westküste Islands. Diese Tiere wollte er in die USA exportieren, gab sie aber vorübergehend in die Obhut der Forschungsanstalt Keldur in Reykjavik. Von dort verschwand eine Hündin und wurde nie mehr aufgefunden; es geht das Gerücht um, dass die gesamte Zuchtpopulation auf Island von dieser einen Hündin abstammen soll. Bewiesen wurde dies jedoch nie.

Die anderen Hunde wurden wie geplant nach Kalifornien gebracht, wo Watson seine Zucht im Wensum Kennels in Nicasio startete. Die Hunde fielen jedoch alle dem Zwingerbrand zum Opfer und die Zuchtlinie starb aus; die Rasse geriet wieder in Vergessenheit.
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre wurden aber isländische Hundeliebhaber und Kynologen wieder auf den Islandhund aufmerksam und starteten Maßnahmen zur Erhaltung und zum Wiederaufbau dieser Hunderasse.
1969 formierte sich der isländische Kennel Club und ereichte 1972 die internationale Anerkennung. 1979 wurde schließlich der „Island Hunde Klub“ gegründet.

Zucht in Island heute:
In Island gibt es heute ungefähr 500 Tiere. Der geschätzte Weltbestnd liegt bei etwa 4000.
1996 wurde ein internationales Komitee gegründet, das ISIC (Island Shepdog International Comitee), welches jährliche Seminare zur Kooperation der Islandhunde Klubs in aller Welt veranstaltet.
So scheint auch der Fortbestand dieser Rasse gesichert zu sein.

Gewicht: 9 – 14 kg
Größe: Rüden: 42 – 48 cm, Hündinnen: 38 – 44 cm
Ohren: fest, aufrecht getragen, dreieckig, breit, sehr beweglich
Augen: mittelgroß, mandelförmig, dunkel
Rute: hoch angesetzt, über den Rücken gerollt, dicht behaart
Fell: es gibt zwei Varietäten: 1. mittellanges und 2. langes Deckhaar, beide mit dichter Unterwolle
Farbe: alle Farben zulässig, häufig mit weißen Abzeichen.