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Saarloos Wolfhond

Geschichte
Die noch relativ junge Hunderasse Saarloos Wolfhond hat ihren Namen vom Begründer dieser Zucht, Herrn Lendert Saarloos erhalten. Der Niederländer wollte eine Hunderasse züchten, die keine Degenerationserscheinungen, dafür aber eine natürliche Resistenz gegen die verschiedensten Krankheiten und noch die scharfen Sinne des Wolfes besitzt. Der Hund sollte bei dieser Kreuzung die Vorzüge beitragen, die ihm die Domestikation in vieltausendjähriger Arbeit gegeben hat, nämlich die Verbundenheit zum Menschen, mangelnde Fluchtdistanz bei echter und vermeintlicher Gefahr, Lernfreudigkeit bis ins hohe Alter usw.

Sein Ziel galt einem aufmerksamen, intelligenten, brauchbaren Hund, der aufgrund seiner hervorragenden Nase zum Fährtenhund und seiner angeborenen Vorsicht und seines blitzschnellem Reaktionsvermögens rasch ausbilden ließ, sowohl als Polizeihund als auch als Rettungshund und Blindenführhund. (Frau Saarloos war selber blind.) Da der Wolf viele dieser von ihm gewünschten Eigenschaften besitzt, wählte er eine Wölfin (Fleur, eine europäische Wölfin, die er vom Tiergarten Blijdorp in Rotterdam kaufte) als Stammelternteil für die von ihm kreierte Rasse und den Deutschen Schäferhund Gerard van Fransenum (Axel v. Stubersheim x Wotan’s Irmhild).

1934 besaß er eine F1 Generation von 28 Halbwölfen. Nach Selektion innerhalb der nächsten 8 Monate ließ er 2 Weibchen (Fleurie und Pittah) und einen Rüden (Barré) über. Die F2-Generation war das Resultat der Rückkreuzung der weiblichen Tiere mit ihrem Vater, was 75% Hund und 25% Wolf ergibt. Und schon hier gab es den ersten „roten“ Saarloos: Kaja. Spekulationen über angebliche Huskyeinkreuzung wegen der roten Farbe sind daher völlig absurd. Allerdings kreuzte zu Anfang L. Saarloos auch wieder Deutsche Schäferhunde ein.

Später wurden noch Wölfe eingekreuzt, die letzte Wölfin 1963.(Angeblich die sechste, ganz geklärt ist das nicht. Die Niederländische Vereinigung von Saarloos Wolfhonden vermutet noch mehr Wolfseinkreuzungen.) Er nannte seinen Zwinger „van de Kilstroom“.

L. Saarloos nannte seine Züchtung „Europäischer Wolfshund“. Erst später bei der offiziellen Anerkennung 1975 durch den Raad van Beheer und 1981 durch die FCI Standard Nr.311.1 FCI-Gruppe 1 wurde die Rasse zu Ehren ihres Schöpfers, der das leider nicht mehr erlebte (er starb 1969), umbenannt in SAARLOOS WOLFHOND.

Charakter
Obwohl an die 300 Blindenführhunde, ausgebildet in seiner Blindenführhundschule in Dordrecht, eingesetzt wurden und einige auch als Rettungshund arbeiteten, eignet sich der Saarloos Wolfhund nicht als Gebrauchshund. Saarloos’ Bemühungen, seine Hunde als Polizeihunde auszubilden, scheiterten ebenso am scheuen Wolfserbe wie die anderen Ausbildungen. Der Fluchttrieb hatte den Angriffstrieb völlig verdrängt. Er besitzt weder Schärfe noch Kampftrieb und ist deshalb als Schutz- und Polizeihund gänzlich ungeeignet. Da sich einige ausgesuchte Hunde wohl trotzdem gut ausbilden ließen, vor allem als Blindenführhund, ( zu Beginn der 50er Jahre hat der erste Wolfhund erfolgreich die Blindengeleithundprüfung absolviert) gab das der Rasse den Nimbus, sie sei als Blindenführhund besonders geeignet. Doch der wölfische Ursprung machte sich zu sehr bemerkbar, die Hunde waren immer noch sehr vorsichtig und scheu wie Wildtiere. (Der Aufgabe als Blindenführhund wäre der Saarloos Wolfhund im heutigen Straßenverkehr absolut nicht gewachsen.)

Heute ist der Saarloos Wolfhond ein angenehmer Familienhund, allerdings nicht für Jedermann. In Pflege, Gesundheit und Fütterung sind sie zwar denkbar anspruchslos, aber man muß mit ihnen umzugehen wissen. Er will konsequent erzogen werden. Obwohl er sich nicht als „Gebrauchshund“ eignet, ist er doch sehr lernfähig. Mit außerordentlich viel Geduld und Liebe (neben Konsequenz) läßt er sich zum Gehorsam über positive Motivation erziehen. Er eignet sich auch für die Arbeit innerhalb eines Agility- oder Breitensport-Programms. Er zeichnet sich NICHT durch sklavischen Gehorsam, sondern eher durch Eigensinn und Selbständigkeit aus. Mehr als jeder andere Hund braucht der Saarloos Wolfhond seine Rudelordnung. Der Chef muß der Chef sein und vom Hund als solcher anerkannt werden. Sonst ist dieser große, starke Hund kaum lenkbar. Das erfordert schon ein wenig Studium der Wolfs- und Hundepsyche. Da diese Hunde ein ausgeprägtes Mienenspiel und eine ausdrucksvolle Körpersprache haben, kann man sie gut „lesen“.

Ein erstes, maßgebliches Merkmal von erwachsenen Wolfhunden ist, daß sie weniger Jugendmerkmale im Verhaltensrepertoire besitzen als andere Hunde. Diese Jugendmerkmale ermöglichen bei den meisten Hunden eine einfache Handhabung, was Gehorsam und Führigkeit betrifft. Wolfhunde verhalten sich daher eher unterwürfig als gehorsam.

Ein zweites, sehr wichtiges Merkmal bei Wolfhunden, was in den Vordergrund rückt, ist die Zurückhaltung allem Unbekannten gegenüber. Auf Veränderungen seiner gewohnten Lebensumstände reagiert der Saarloos Wolfhond höchst sensibel. Seinen scharfen Sinnen entgeht nichts. Geradezu reserviert verhält er sich jedem Fremden gegenüber. Für den Wolf in seiner natürlichen Umgebung ist diese Eigenschaft (über)lebenswichtig, beim Haustier allerdings eher lästig. („Lieber 100 mal feige als einmal tot!“)

Dabei sind sie extrem anhänglich ihrer Familie gegenüber. Der Saarloos Wolfhond weicht „seinen“ Menschen nicht von der Seite. Man muß es also schon ertragen können, den Hund ständig um sich zu haben. Daraus ergibt sich auch die Tatsache, daß der Saarloos Wolfhond das Alleinsein nicht verträgt! Sie haben sehr starke Separationsängste, die eine unglaubliche Zerstörungswut heraufbeschwören können. Für eine Zwingerhaltung sind sie, wie eigentlich alle Hunde, überhaupt nicht geeignet: Die Rudelbindung ist zu stark, als daß der Saarloos Wolfhond mehr als einige Stunden unbeschadet allein im Zwinger ertragen kann. Schließlich bedeutet Verlassensein in der Wildnis Tod und Verderben, da sich das Jungtier (auf dieser Stufe eines jungen Wolfes stehen alle Hunde in ihrer geistigen Entwicklung) nicht selbst versorgen kann. Ein Jungtier mit gesunden Instinkten wird also alles in Bewegung setzen, um bei seiner Familie (Rudel) und damit in Sicherheit zu sein. Selbst sogenannte ausbruchsichere Zwinger werden in kürzester Zeit bezwungen.

Als Wachhund eignet sich der Saarloos Wolfhond nicht, er bellt kaum, obwohl er es kann. Zum Verteidigen eignet er sich überhaupt nicht. Ihm fehlt jeglicher Angriffstrieb. Kindern gegenüber ist der Saarloos Wolfhond sehr geduldig. Jedoch sollte man seine Größe und entsprechende Kraft bedenken. Zusammen mit seinem überschäumenden Temperament, das er Freunden zeigt, wirft er selbst Männer um.

Um dem Saarloos Wolfhond die nötige Bewegung und Abwechslung zu verschaffen, muß man schon körperlich fit sein. Stundenlanges Joggen und Radfahren ermüdet den Wolfhund noch lange nicht!

Bemerkung: Das oft ungestüme Temperament, die große Kraft und robuste Härte sowie die tiefe Jagdpassion sind für den Saarloos Wolfhund bezeichnend.

Größe und Gewicht:
Die Widerristhöhe beim Saarloos Wolfhund variiert
bei den Rüden von 65 bis 75 cm,
bei den Hündinnen von 60 bis 70 cm.